Willkommen zurück! Du bist nach deiner dritten Elternzeit in eine neue Rolle zurückgekehrt – als Fachbereichsleiterin Vermessung. Wie hat sich das angefühlt?
Das war für mich der Startpunkt meiner Führungsposition. Vor meiner Elternzeit hatte ich zwar drei Monate Übergang, jetzt ging es aber richtig los. Ich bin mit viel Vorfreude auf das Kollegium und meine neue Aufgabe zurück ins Büro gekommen. Zuvor als Vermessungsingenieurin hatte ich viele anspruchsvolle Projekte, habe Themen wie das Laserscanning ins Unternehmen gebracht, mit Kollegen zusammen geforscht sowie die kompetenzbasierte Organisationsstruktur und das Wissensmanagement mitentwickelt. Dass ich jetzt Fachbereichsleiterin bin, erfüllt mich mit Stolz.
Inwiefern konntest du dich auf deine neue Rolle vorbereiten?
Während meiner Elternzeit wurde ich gecoacht und habe mich theoretisch vorbereitet. Einmal im Monat habe ich mich online mit einer Coachin getroffen. Gemeinsam haben wir an für mich relevanten Führungsthemen und an meiner Persönlichkeitsentwicklung gearbeitet. Jetzt kann ich das Gelernte anwenden.
Worauf legst du in der Zusammenarbeit am meisten Wert?
An erster Stelle steht bei mir immer das gute Miteinander, ohne das geht es nicht. Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Fachbereich Vermessung, dem Geschäftsführer und dem Betriebsleiter. Fachlich und disziplinarisch bin ich die Vorgesetzte von 30 Vermessern und Vermesserinnen. Wir arbeiten in vier festen Teams, deren Besprechungen ich leite. Ich behalte den Überblick, werte Projekte finanziell aus, beschaffe Aufträge, lege Projektleitungen fest und verteile Aufgaben. Außerdem begleite ich strategische Entwicklungen der Firma im Bahnsektor sowie in weiteren Branchen, in denen Vermessung wichtig ist. Darüber hinaus habe ich Innovationen und Softwarebeschaffung im Fokus und erstelle den Außendienst-Dienstplan.
Was bedeutet gute Führung für dich?
Ich bin ein strukturiertes Organisationstalent und erkenne gut, wer was braucht. Ich kann Menschen vernetzen und Brücken schlagen zwischen den Bedürfnissen der Teams und den fachlichen Themen. Dabei habe ich immer das Ziel vor Augen.
Welches Ziel ist das?
Dass ich für die Kolleginnen und Kollegen da bin und gemeinsam mit ihnen den Fachbereich Vermessung und das Unternehmen voranbringe. Gleichzeitig ist mir die persönliche Weiterentwicklung aller Teammitglieder wichtig. Ich möchte noch stärker auf individuelle Stärken eingehen und regelmäßig im direkten Austausch stehen.
Wie hast du den Übergang aus der Elternzeit in den neuen Berufsalltag erlebt?
Ich war etwa ein Jahr nicht im Unternehmen, blieb aber mit den Kolleginnen und Kollegen in Kontakt und war damit inhaltlich auf dem Laufenden. Für meine Position wurde mir viel Flexibilität zugesichert, um meinen neuen Arbeits- und Familienalltag gestalten zu können.
Welche Flexibilität war dabei besonders wichtig?
Vor allem die Arbeitszeiteinteilung. Es war wichtig, täglich im Büro zu sein, um wieder mit allen in Kontakt zu kommen. Ich habe viele Gespräche geführt und wurde zu Themen abgeholt. Nachmittags bin ich ins Homeoffice gegangen und konnte herausfinden, wie ich meine Zeit am besten einteile. Für meine Führungsposition haben wir uns auch familiär neu aufgestellt. Während meiner früheren Elternzeiten habe ich die Eingewöhnungen in der Kinderkrippe übernommen, das macht jetzt mein Mann.
Wie stellst du sicher, dass Qualität, Verlässlichkeit und Weiterentwicklung im Team auch in anspruchsvollen Projekten gewährleistet sind?
Ich bin bei der EPV-GIV im dritten Jahr Qualitätsmanagement-Beauftragte und habe das Thema bei allen Anliegen im Blick. Qualität ist das A und O. Dank meiner Vorerfahrung kann ich sie ganz selbstverständlich in Projekte und Gespräche mit den Teammitgliedern einfließen lassen.
Inwiefern hat die Möglichkeit der Vorbereitung auf deine neue Rolle deine Art zu führen beeinflusst?
Ich weiß heute sehr genau, was ich möchte und was nicht. Mir ist bewusst, dass unterschiedliche Charaktere unterschiedliche Führungsstile brauchen, und zwar abhängig von der Erfahrung der Mitarbeitenden. Ich bin sehr bereit, mich den Anforderungen und Erwartungen zu stellen.
Welche neuen Perspektiven hast du seit deiner Wiederkehr auf deine Arbeit gewonnen?
Mir wurde signalisiert, dass sich viele auf mein Wiederkommen und die Struktur, die ich mitbringe, gefreut haben. Dass meine Arbeit und ich wichtig für das Unternehmen sind, hat mir große Wertschätzung vermittelt und ein sehr gutes Gefühl gegeben.
Welche Rahmenbedingungen brauchen Menschen, um langfristig leistungsfähig und motiviert zu bleiben?
Ich beziehe das auf mich: Ich brauche ausreichend Ressourcen, um meine Aufgaben in der Qualität zu erfüllen, die ich mir selbst als Maßstab setze. Diese Messlatte möchte ich nicht niedriger hängen. Flexibilität ist dabei ein wichtiger Faktor. Da ich selbst von der freien Arbeitszeiteinteilung am Nachmittag profitiere, möchte ich das – wo es passt – auch den Teams ermöglichen. Voraussetzung ist natürlich, dass Homeoffice für die jeweilige Person und den Projektstand sinnvoll ist.
Was treibt dich an?
Mich motiviert am meisten, dass wir gut arbeiten können und fair sowie kollegial miteinander umgehen. Feedback von Vorgesetzten sowie von Kolleginnen und Kollegen ist mir für meine eigene Weiterentwicklung sehr wichtig. In den kommenden Wochen und Monaten werde ich meine Rolle mehr und mehr ausgestalten und wünsche mir dabei weiterhin ein gutes Coaching an meiner Seite.
Welche Ziele hast du für 2026?
Ich möchte 30 Gespräche führen, mit jeder und jedem aus dem Vermessungsteam und genau zuhören, damit wir gemeinsam Prozesse optimieren und alle gut arbeiten können. Außerdem möchte ich noch mehr ans Qualitätsmanagement ran. Vielleicht kommen wir hier schon mit neuen Ansätzen ins Arbeiten.
Danke für das Gespräch.



